1
1

Titel

Vielfältige Lebensräume  nvd-logo50x400

Dornenhecke in der Stalde als Lebensraum des Neuntöters

Im Rahmen von LEP (= Landwirtschaftliches Entwicklungsprogramm) Verträgen hatte Fritz Walti die Auflage Hecken zu pflanzen. Insgesamt entstanden im Frühling 2004 auf verschiedenen Parzellen drei Hecken mit total 500 Sträucher. Der NVD half bei der Pflanzaktion kräftig mit. Bei der Auswahl der Sträucher wurde bewusst auf Dornensträucher wie Hundsrose und Schwarzdorn geachtet. Der Weissdorn kam wegen der Feuerbrandproblematik nicht in Frage. Weiter waren Pfaffenhütchen, Liguster, Feldahorn, Rote Heckenkirsche und Schneeball gesetzt worden.

Die Hecke in der Stalde kam an den Rand eines Obstgartens gelegen, der an die Steinerbergstrasse grenzt. Im Laufe der Jahre wuchs sie kräftig und es entstand eine dichte Dornenhecke.

Vor drei Jahren, im Frühling 2012 wurden in diesem Obstgarten Meisen-Nistkästen, sowie spezielle Gartenrotschwanzkästen aufgehängt, wieder als Bestandteil von LEP- Verträgen. Der NVD betreut und pflegt diese Kolonie. Beim Beobachten der Vögel in diesem Lebensraum, erspähten wir den Neuntöter. Dieser benötigt zur Nahrungssuche dichte Dornenhecken und extensiv genutztes Kulturland, wie eben der Hochstammobstgarten von Fritz Walti.

Das hübsche Männchen, mit dem markanten schwarzen Streifen vom Schnabel bis hinter die Augen, sitzt oft auf einer Warte in der Hecke um von dort Insekten und Grossinsekten zu jagen, sowie Beutetiere (Maulwurfsgrillen, Spitzmäuse oder Regenwürmer) am Boden anzufliegen. Diese spiesst er gerne an den Dornen auf, um sie zu bearbeiten oder als Vorrat zu halten. Das etwas unscheinbarere Weibchen ist viel heimlicher und weniger leicht zu erspähen.

Ihr Nest ist in den Dornenbüschen versteckt und geschützt vor Feinden.

Seither ist ein Neuntöterpaar jedes Jahr ab Mitte Mai in dieser Hecke anzutreffen. Das Gebiet in der Stalde scheint ihnen zu passen, es ist strukturreich und vielfältig, der Krautsaumstreifen entlang der Hecke wird erst spät gemäht, sowie auch der Obstgarten in Etappen gemäht wird. So ist das Nahrungsangebot intakt und es ist zu hoffen, dass wir sie auch in den kommenden Jahren wieder entdecken dürfen. Denn sie sind Langstreckenzieher, überwintern im südlichen Afrika und fliegen im Frühling jeweils mehrere tausend Kilometer in ihr Brutgebiet zu uns und im Herbst wieder zurück ins Winterquartier.

Martha Sager 5. Juni 2014