1
1

Titel

Kinder in Bewegung

Jugendplauschtag – ein Erfolg für alle Beteiligten

Seit rund 15 Jahren organisieren wir im Seetal einen Naturerlebnistag. Eine Erfolgsgeschichte, die auch 2015 wieder ein neues Kapitel schrieb.

Hinter dem Schloss Hallwyl wird mit Pfeil und Bogen auf (Papp-)Wildschweine geschossen. Auf einer Lichtung im Wald finden Wettkämpfe im Ballwerfen oder Gruppenlaufen auf langen «Skiern» statt. Tiefer im Gebüsch ist eine Gruppe von Kindern auf der Pirsch nach Waldtieren (sie suchen die im Wald versteckten Bilder und beantworten Fragen), und über den Aabach ist ein Hochseil gespannt. Wer all seinen Mut aufbringt kann dieses auf einem Fahrrad überqueren. Am Rand zum geschützten Ried ist ein Stand mit Mikroskopen aufgebaut. Die Kinder wühlen mit Löffeln in der Erde und suchen nach Lebewesen, die sie anschliessend in starker Vergrösserung betrachten wollen. Und dann gibt es da auch noch den Geschicklichkeitsparcour. Das Veranstaltungsgelände ist erfüllt von Kinderlachen, erstauntem Rufen und Siegergebrüll. Wer die Fahrt über den Aabach geschafft hat, ist stolz – wer es nicht wagt, wird getröstet. Ein ganz normaler Jugendplauschtag, Ende August in Boniswil.

Gemeinsam unvergessliche Stunden

Jedes Jahr treffen sich im Seetal an die 100 Kinder im Alter zwischen 8 und 12 Jahren zum Naturerlebnistag. Das Ziel ist es, gemeinsam draussen zu sein, die Welt, in der wir leben zu entdecken, Spass zu haben, vielleicht auch etwas zu lernen, aber sicher unvergessliche Stunden zu verbringen. Der Tag wird organisiert von sieben regionalen Sektionen von BirdLife Aargau und dem Landschaftsschutzverband Hallwilersee. Begonnen hat alles aufgrund der Initiative des ehemaligen Vereinspräsidenten von Natur und Umwelt Boniswil, René Berner. «Wir fanden, es sollte doch möglich sein, mehr Leute für unsere Anlässe zu gewinnen», erklärt er heute im Rückblick. Es war um die Jahrtausendwende, als Berner die Vereine im Seetal anfragte, ob man die Kräfte aus den einzelnen Sektionen nicht bündeln und sich zu einem Verbund zusammenschliessen wolle. Man suchte nach einem gemeinsamen Nenner und entschied sich schliesslich für ein koordiniertes Angebot für die Schulkinder, das einmal im Jahr stattfinden sollte. «Bei der ersten Durchführung», erinnert sich Berner, «sind wir vom Andrang der Kinder total überrannt worden!» Es waren damals 150 Schülerinnen und Schüler. Der Anlass wurde ein toller Erfolg.

Der Aufwand steht in gutem Verhältnis zum Erfolg

Auch nach rund fünfzehn Jahren, in denen der Jugendplauschtag nun alternierend in einer der sieben angeschlossenen Gemeinden stattfand, ist die ursprüngliche Motivation noch die gleiche. «Der Aufwand für einen Stand am Jugendplauschtag hält sich im Vergleich zum Nutzen doch total in Grenzen», sagt zum Beispiel Stefan Dörig, Präsident des NVV Beinwil am See. Sein Verein besteht seit 1933. Seit 3 Jahren beteiligt er sich nun am Jugendplauschtag. «Es sind heute 11 Kinder aus unserer Gemeinde dabei», sagt Dörig. «Ihnen wird ein ganzer Tag unterschiedlichster Naturerfahrungen, ein feines Mittagessen, ein letztlich unbezahlbares Erlebnis gemeinsam mit Freunden geboten. Dafür stehen von unserem Verein fünf Leute einen Tag und etwas Vorbereitungszeit im Einsatz. Das ist doch eine sehr gute Bilanz.»

Die Vereine treffen sich zwei Mal pro Jahr

Jedes Jahr zeichnet ein anderer der sieben Regiovereine für die Organisation verantwortlich. Er besorgt das Essen und stellt die notwendige Infrastruktur bereit, kümmert sich um die Bewilligungen und zahlt allfällige Mieten. «Alle sieben Jahre ist so ein Aufwand gut zu verkraften», sagt Hans Bodmer vom Vorstand von Natur und Umwelt Boniswil, der in diesem Jahr die Hauptverantwortung für den Anlass mit rund 120 Teilnehmenden trug. «Wir haben inzwischen einen Ablaufplan, den wir vom Vorjahr übernehmen können», erklärt er weiter. «Selbstverständlich gibt es für den organisieren den Verein etwas mehr Aufwand, als für die anderen Beteiligten. Aber wir profitieren gegenseitig von den gemachten Erfahrungen. Und mit den vielfältigen Posten haben wir als Hauptorganisatoren ja nichts zu tun.» Die Regiovereine treffen sich zwei Mal im Jahr zu einer gemeinsamen Sitzung. In der Herbstsitzung blicken sie zurück auf den vergangenen Jugendplauschtag. Manchmal diskutieren sie auch weitere, die Region betreffende Themen. In der Frühjahrssitzung schauen sie das Gelände für den neuen Plauschtag an und vergeben die Standorte für die Posten. Alle andere Abstimmungsarbeit läuft per Email. Eine gemeinsame Web-Adresse soll zudem die Auffindbarkeit der Angebote der Seetaler Naturschutzvereine vereinfachen. Unter www.natur-im-seetal.ch haben sich die Vereine für eine gemeinsame Webadministration entschlossen.

Immer wieder entsteht Erstaunliches

«Was mich erstaunt, ist», sagt einer der Helfer, «dass jedes Jahr wieder so eine grosse Vielfalt an Posten entsteht, und wir den Kindern immer wieder aufs Neue tolle Erlebnisse bieten können.» Dies liegt einerseits am stets wechselnden Gelände. Es hat aber auch mit dem Ehrgeiz der Helfenden zu tun, kreativ zu sein, bei der Gestaltung ihrer Posten. Von Landart bis Wasserradbau, vom sportlichen Schlappseilbalanceakt zwischen Waldbäumen bis zum gemeinsamen Baumstammsägen auf Zeit oder dem Flossbau und der Flussquerung ist an einem der letzten Jugendplauschtage schon alles – und noch viel mehr – dagewesen.

Die Vorfreude und der Eifer sind auch am Stand der Egliswiler am frühen Morgen des diesjährigen Jugendplauschtages zu spüren: «Das wird eine echte Herausforderung», lachen Otmar und Günther – wobei es nicht ganz klar ist, ob sie damit den Parcours für die Kinder meinen oder das Einschlagen der Pfähle, das offensichtlich mit Enthusiasmus geschieht.